«Es reicht heute nicht mehr, einfach gut aufgestellt zu sein»

Die Stadt Winterthur setzt in ihrer kürzlich verabschiedeten Wirtschaftsstrategie gezielt auf Smart Engineering und Cleantech – und will ihre Stärken künftig noch sichtbarer machen. Bettina Furrer, Leiterin Amt für Stadtentwicklung, erklärt im Interview, warum eine gute Ausgangslage allein nicht mehr genügt und wie die Stadt und House of Winterthur (HoW) gemeinsam an der Positionierung arbeiten.

Bettina Furrer leitet das Amt für Stadtentwicklung der Stadt Winterthur.

Die Strategie setzt klare Schwerpunkte auf Smart Engineering und Cleantech. Was macht Winterthur in diesen Bereichen einzigartig und warum reicht «gut positioniert» heute nicht mehr aus?
Bettina Furrer: Winterthur verfügt über starke Voraussetzungen: eine lange industrielle Tradition, innovative Unternehmen, einen leistungsfähigen Hochschulstandort mit der ZHAW und gut ausgebildete Fachkräfte. Gerade im Bereich Smart Engineering und Cleantech treffen hier Industriekompetenz, Forschung und praktische Anwendung aufeinander. Diese Stärken beinhalten ein grosses Potenzial. Sie führen aber nicht automatisch dazu, dass Winterthur auch künftig zu den führenden Wirtschaftsstandorten gehört. Andere Standorte investieren gezielt in ihre Positionierung und entwickeln sich dynamisch weiter. Deshalb reicht es heute nicht mehr, einfach gut aufgestellt zu sein. Wir müssen unsere Stärken gezielt weiterentwickeln, sichtbarer machen und ein klares Profil schaffen. Die Wirtschaftsstrategie gibt dafür die Richtung vor und hilft, Winterthur als Innovations- und Technologiestandort stärker zu positionieren.

House of Winterthur ist in mehreren Massnahmen als federführend aufgeführt, etwa bei Ansiedlung, Startup-Management und Innovationsmarketing. Wie siehst du die Aufgabenteilung zwischen Stadt und HoW in der Umsetzung?
Die Rollen von Stadt und House of Winterthur ergänzen sich gut und sind klar verteilt. Die Stadt schafft die Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Entwicklung – etwa durch die Entwicklung von Arbeitsplatzgebieten, die strategische Planung des Standorts, effiziente Prozesse und das Wirtschaftsmonitoring. House of Winterthur übernimmt wichtige operative Aufgaben an der Schnittstelle zur Wirtschaft. Dazu gehören das Standortmarketing, die Unterstützung von Start-ups, die Vermittlung von Flächen und Immobilien sowie die aktive Ansiedlungsförderung. Im Zentrum stehen dabei die Gewinnung neuer Unternehmen und Investitionen sowie die Begleitung von Ansiedlungsprozessen. Entscheidend ist, dass alle Beteiligten ihre jeweiligen Stärken einbringen und die Wirtschaftsstrategie gemeinsam umsetzen.

Gibt es einen Punkt in der neuen Wirtschaftsstrategie, bei dem du persönlich überzeugt bist: Das wirkt?
Ja. Mich überzeugt besonders, dass die Strategie nicht auf eine einzelne Massnahme setzt, sondern verschiedene Hebel zusammenführt. Eine klare Positionierung, eine stärkere Vernetzung der Akteur:innen sowie eine dienstleistungsorientierte Unterstützung von Unternehmen ergänzen sich gegenseitig. Oft sind es genau diese Faktoren – gute Vernetzung, kurze Wege und klare Anlaufstellen – die für Unternehmen den Unterschied machen.